Aufgrund der aktuellen Lage konnten die Schüler*innen unseres Gymnasiums in diesem Jahr am 27. Januar nicht gemeinsam der Opfer des Holocaust gedenken. Im Rahmen des Großprojekts (Klasse 10) und im Rahmen des Sozialkunde Unterrichts (Klasse 11) haben sich die Schüler*innen mit einem Artikel zu diesem Thema aus der ZEIT-Online beschäftigt und dazu Leserkommentare verfasst.

Hier dazu der Link zum Artikel: Holocaust: Emotionen bewahren | ZEIT ONLINE [Stand: 27.01.2021, 7:50]

Ein Einblick in zwei ausgewählte Leserkommentare:

Dieses Jahr erinnern wir uns anders:

Heute am 27.01 ist der Holocaust-Gedenktag. Eigentlich würde ich heute in der Schule sitzen und eine Aufführung zum Gedenken der Opfer des Holocaust sehen. Anschließend dazu gibt es immer eine Schweigeminute, welche wir den Opfern widmen. Um diese Aufführung kümmern sich an unserer Schule immer die 10. Klassen. Im letzten Jahr war das meine Klasse. Ein so schreckliches Ereignis nach zuspielen fällt einem alles andere als leicht, wodurch man sieht, wie scheußlich die Juden behandelt wurden. Mir hat diese Art des Gedenkens jedoch immer sehr gut gefallen, da man Einblicke in die Leben und auch in die Gedanken der Juden bekommen hat. Wir als Schule haben gemeinsam an die Opfer gedacht und Kerzen angezündet. Dies ist dieses Jahr durch das Coronavirus nicht der Fall. Durch die Kontaktbeschränkungen sitzen wir nicht zusammen und gedenken nicht zusammen. Dieses Jahr gedenkt jeder alleine den Juden, wenn man es nicht vergisst... Ich muss ehrlich gestehen, dass ich durch das Arbeiten von zu Hause aus keine Zeitübersicht mehr habe. Hätte mich heute jemand gefragt welches Datum wir schreiben, hätte ich es nicht gewusst. Genau aus diesem Grund finde ich es wichtig, dass das Erinnern auch digital erfolgt. Wie ich in dem Artikel gelesen habe, finden auch Online Veranstaltungen statt. Das finde ich sehr gut. Gerade die jüngere Generation ist sehr viel digital unterwegs, weshalb ich der Meinung bin, dass digitales Erinnern vor allem bei ihnen sehr gut funktioniert. Wenn wir aufgrund von Corona auch im nächsten Jahr nicht in der Schule sind und uns gemeinsam an die Opfer des Holocaust erinnern können, was ich natürlich nicht hoffe, wäre es meiner Meinung nach auch eine gute Alternative so einen Gedenktag online abzuhalten. Ich bin auf jeden Fall davon überzeugt, dass digitales Erinnern funktionieren kann. Gerade Podcasts, Blogs und Kanäle in den sozialen Netzwerken werden von Jugendlichen häufig aufgerufen und es wäre wichtig diese auch für das Geschichtsbewusstsein zu nutzen.

 (Lena)

 

Holocaust

“Mehr als 80 Jahre sind vergangen, seit die Nationalsozialisten unter der Führung Adolf Hitlers die Staatsgewalt übernahmen und Deutschland innerhalb kürzester Zeit von einem Rechtsstaat in eine Diktatur verwandelten. Nach Hitlers rassistischer, menschenverachtender Ideologie wurde willkürlich Terror und Gewalt gegen Menschengruppen ausgeübt, die nicht dem nationalsozialistischen Gedanken folgten,...” Ziemlich genau heute vor einem Jahr begangen wir, die damalige Klassenstufe 10 des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Bützow (Schuljahr 2019/20), mit diesen, von drei Mitschülerinnen und mir verfassten, einleitenden Worten unsere Aufführung zum Holocaust-Gedenktag, einem Tag, der uns alle sehr mitnahm und zu mindestens für mich sehr prägend war. Wochenlang beschäftigen uns mit diesem Thema, um den Opfern dieses Völkermordes den gebührenden Respekt zu erweisen.

Der vorliegende Artikel der ZEIT ONLINE “Holocaust -Emotionen bewahren” greift diese bewegende Thematik in ganz anderem Licht auf und kämpft darin darum, dass die Menschen weiterhin eine emotionale Bedingung zu solchen Themen beibehalten und dem weiterhin gedenken. Es hat mich zunächst ziemlich geschockt, dass das Thema Holocaust und das Gedenken daran in den vergangenen Jahren immer mehr von der Bildfläche verschwindet. Wahrscheinlich kommt mir das so absurd vor, weil ich mich selber vor einem Jahr so intensiv damit beschäftigt hat und ich seitdem öfter darauf zurückblicke, dass ich gar nicht wahrgenommen habe, das andere Menschen sich weniger darum interessieren.

Ich bin der Meinung, gerade an solch bedeutungsvollen Tagen wie heute, sollten in den sozialen Medien viel mehr darüber gesprochen werden, damit auch nachfolgende Generationen ein Augenmerk darauf richten, was in der deutschen Geschichte bisher so alles schieflief, vor allem um klar zu machen, dass wir solch eine Zeit nie wieder erleben wollen.

Am meisten jedoch hat mich das Video gefesselt, welches nach dem eigentlichen Artikel angehängt ist. Margot Friedländer als überlebe des KZ Theresienstadt hat mit ihren Worten “Ich möchte nicht, dass einer von euch jemals mit so etwas konfrontiert wird, was wir erleben mussten. Ganz egal, welche Religion, welche Hautfarbe.” mein Herz berührt. Ich finde, dass dies einmal mehr zeigt, wie herzlich diese Menschen sind, obwohl sie so viel Leid durchstehen mussten. Ihr gehört mein größter Respekt, weil sie und all die anderen Häftlinge so viel durchstehen mussten, Familienmitglieder verloren haben und vor dem nichts standen und sich heute trotzdem noch dafür einsetzen, dass niemand anderes sowas jemals erleben muss. Genau deswegen finde ich es so Schade, dass diese Helden nicht viel mehr Aufmerksamkeit verdienen und wir wenigstens heute kurz an sie denken und den Opfern unser tiefstes Mitgefühl aussprechen. 

 (Emilia)